Mittelgroße Städte: Die neuen Alternativen für teure deutsche Metropolen?

Die Mietpreise in Deutschland steigen seit Jahren kontinuierlich. Betroffen sind Großstädte, die mit Bildungs- und Dienstleistungsangeboten und vor allem mit zahlreichen Arbeitsplätzen, neue Anwohner anlocken. Doch steigende Mieten zwingen immer mehr Menschen zum Umzug zu günstigeren Orten, so dass mittelgroße Städte seit einigen Jahren einen Bevölkerungswachstum erleben.

Mietpreisbremse

Quelle: Photo by Pxhere; CC0 Public Domain

Mietpreise im Vergleich

Steigende Mietpreise und Wohnungsknappheit sind mittlerweile in Deutschland ein allgegenwärtiges Problem. Eingeführt im Jahre 2015, werden regelmäßig Debatten um die Verschärfung der Mietpreisbremse geführt, weil man bis heute dem Aufwärtstrend kaum Herr werden konnte. Betroffen sind in erster Linie Groß- und Universitätsstädte sowie Ballungsgebiete, die aufgrund der Infrastruktur, Freizeit- und Dienstleistungsangebote und vor allen Dingen wegen zahlreiche freie und gut bezahlte Arbeitsplätze hoch im Kurs sind. 2018 stiegen die Mietpreise um 4,8% in Deutschland. Eine ähnliche Steigerung wird von Experten auch dieses Jahr erwartet.

Eine der teuersten Gegenden Deutschlands ist München und dessen Umgebung. Der Durchschnittswert pro Quadratmeter für die Kaltmiete beträgt etwa 11,50 Euro. Ältere Gebäude mit simpler Ausstattung aus dem Nachkriegszeit gehören mit etwas mehr als 8 Euro zu den billigsten Angeboten in der bayerischen Hauptstadt. Wer es etwas luxuriös mag, muss bereit sein bis 17 Euro pro Quadratmeter zu zahlen. Doch diese Preise sind angesichts der wirtschaftlichen Stärke Münchens kaum verwunderlich. Münchens Beitrag zum bayerischen Bruttoinlandsprodukt liegt bei 19,2%, während die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 3,5% beträgt und damit den niedrigsten Wert zwischen aller deutschen Städte mit über 500.000 Einwohnern vorweist. Daneben besitzt die Stadt zahlreiche renommierte Hochschulen sowie Freizeitangebote und ein aufregendes Nachtleben, welche die Attraktivität Münchens besonders für junge Menschen erhöhen. Wegen ähnlich günstigen Verhältnissen sind sowohl steigende Mietpreise als auch Wohnungsknappheit in anderen Großstädten wie Berlin, Hamburg, Stuttgart oder Frankfurt am Main nachzuweisen.

Mietpreisbremse

Quelle: Photo by Pxhere; CC0 Public Domain

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch einige Städte, die aufgrund sinkender Bevölkerungszahlen, Mietwohnungen mit niedrigen Preisen anbieten. Die Ursache für die mangelnde Popularität dieser Orte ist oftmals wirtschaftlich bedingt. Wer keinen Job bekommt, siedelt um und kehrt selten in die Heimat zurück. Städte mit den niedrigsten Mietpreisen sind unter anderem Chemnitz und Magdeburg.

Mittelgroße deutsche Städte wieder attraktiv

Ein Kompromiss zwischen den oben genannten Extremen bieten oftmals mittelgroße deutsche Städte an. Sie sind besonders von älteren Arbeitnehmern und Rentnern bevorzugte Alternativen. Ein Beispiel für eine attraktive und zugleich günstige mittelgroße Stadt ist Baden-Baden. Seit einigen Jahren erlebt die Stadt am Schwarzwald ein Bevölkerungswachstum, weil zunehmend mehr Senioren aus Großstädten den Ort als neuen Wohnsitz wählen. Beliebt im 19. Jahrhundert bei den Intellektuellen Europas aufgrund der wunderschönen Natur in der Umgebung sowie den zahlreichen Freizeitangeboten, entscheiden sich Senioren heute aus den gleichen Gründen für Baden-Baden. Sowohl das großartige Kasino im klassischen Stil, als auch das wunderschöne Friedrichsbad eröffnen seit Jahrhunderten ihre Türen den Anwohnern, um ihnen stressfreie Momente zu bescheren. Wanderlustige Senioren können dagegen ihre Freizeit in der ruhigen Natur des Schwarzwaldes verbringen. Was den Mietpreis betrifft, liegt Baden-Baden mit etwa 10,50 Euro pro Quadratmeter unter dem Durchschnitt Münchens und erhöht damit ihre Attraktivität für Neuzugänge.

Ein weiteres Beispiel, das mit wachsenden Bevölkerungszahlen hervorsticht, ist die westfälische Stadt Gütersloh. Sie zählt seit Kurzem zu den Großstädten Deutschlands, da sie die 100.000 Einwohnermarke geknackt hat. Regelmäßige Veranstaltungen wie der Gütersloher Sommer oder die langenachtderkunst versichern ein reiches Freizeitangebot. Hinzukommen zahlreiche Parkanlagen und Naturschutzgebiete, die Fluchtmöglichkeiten vom stressigen Arbeitsalltag versprechen. Bezüglich der Mieten ist auch Gütersloh wie Baden-Baden unter Münchens Durchschnittspreis. In der Regel zahlen die Bewohner für eine angemessene Wohnung nicht mehr wie 8,20 Euro pro Quadratmeter.

Baden-Baden und Gütersloh sind keine Ausnahmefälle. Viele Menschen, die sich die hohen Mietkosten nicht leisten können, bevorzugen kleinere Städte, welche trotz ihrer Größe ausreichend Abwechslung im Alltag anbieten. Weitere Städte, die zu diesem Schema passen sind Münster, Leipzig und Aachen. Besonders ältere Generationen schätzen die ruhige Atmosphäre von kleineren Orten. Doch das Problem der steigenden Mietpreise und die daraus folgenden Wohnungsknappheit in deutschen Metropolen kann durch diesen Trend kaum gelöst werden. Nach wie vor sind Großstädte, aufgrund vielversprechende Angebote bezüglich des Arbeitsmarkts, der Bildung und Freizeit, für junge Menschen die attraktivsten Umzugsziele nach der Sekundarbildung im Heimatort.

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